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Zweifel an der Demokratie


Die Deutschen blicken sorgenvoll in die Zukunft: Das ist das Fazit des "Datenreport 2006", den das Statistische Bundesamt und das Wissenschaftszentrum Berlin jetzt herausgegeben haben. Erfasst wurden sowohl subjektives Wohlbefinden als auch objektive Lebensumstände.

Auf fast 700 Seiten voller Daten, Fakten, Grafiken und deren Interpretationen findet sich seit Mittwoch die Bundesrepublik wieder. Das Bild, das sie abgibt, ist kein gutes. So geht etwa die Schere zwischen Arm und Reich zwar nicht mehr so drastisch auseinander, wie das in vergangenen Jahren befürchtet wurde, aber sie schließt sich auch nicht. Der Anteil der Armen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft pendelt sich bei 13,5 Prozent ein, im Osten liegt er etwas höher, im Westen etwas niedriger. Aber vor allem veränderte er sich zuletzt kaum.

Armut in Deutschland gibt es unverändert dort, wo man sie bislang auch schon fand: bei Arbeitslosen und Alleinerziehenden, in ausländischen und in kinderreichen Familien. Keines der Reformvorhaben der Bundesregierungen verfing bislang merklich. Und die Bürger glauben nach den Erhebungen der Sozialforscher auch nicht an eine nachhaltige Wirkung.

 

Auch beim Konzept der Familie stehen die Deutschen im Dissens zu ihrer politischen Führung: Während die Politik noch über den Erhalt der Familie im klassischen Sinne streitet, hat sich die Realität längst gewandelt. Laut Datenreport wuchs die Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften zwischen 1996 und 2004 von 1,8 Millionen auf 2,4 Millionen. Heirateten Männer früher im Schnitt mit 25, Frauen mit knapp 23 Jahren, liegt das Durchschnittsalter inzwischen bei 32 beziehungsweise 29 Jahren.

Den ausgewerteten Umfragen zufolge findet nur noch knapp ein Drittel der Deutschen, Frauen sollten zuhause bleiben und Männer arbeiten gehen. Die alte Rollenverteilung wird seit Jahren kontinuierlich unpopulärer. Jeder vierte Jugendliche wächst in "alternativen Familienformen" auf, also in nichtehelichen Lebensgemeinschaften oder bei Alleinerziehenden. Ihre Zahl stieg binnen zehn Jahren von 200 000 auf 696 000.

Die Diskrepanz zwischen dem Wandel im alltäglichen Leben und der als unbeweglich wahrgenommenen Politik erklärt wohl, warum das Vertrauen in die Demokratie in deutschland verloren geht. Nur noch 71 Prozent der West- und 38 Prozent der Ostdeutschen glauben, sie sei "die beste Staatsform". Vor sechs Jahren lag die Zustimmung noch bei 80 und 49 Prozent. Im Westen glauben 17 Prozent, im Osten 41 Prozent der Befragten, es gebe bessere Staatsformen - mehr denn je zuvor.

Die Ergebnisse des Reports legen den Schluss nahe, dass die Abkehr von der Demokratie stark mit dem persönlichen Wohlbefinden zusammenhängt, das seit 2003 nochmals leicht abgenommen hat. Seit Jahren nimmt die Zahl derer zu, die sich als weder gerecht behandelt noch entsprechend ihrer Leistung bezahlt empfinden. Lediglich 29 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrem Einkommen bequem leben zu können. Die Arbeitsmarktsituation beurteilen nur drei Prozent der Deutschen als gut oder sehr gut.

 

Laut Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin, Jürgen Kocka, schätzen die Deutschen ihre Lebensbedingungen vielfach schlechter ein, als sie tatsächlich sind, weil sie die Messlatte höher legen als andere Europäer. Bei der Arbeitslosigkeit allerdings liege Deutschland im EU-Vergleich wirklich hinten.

 

Weitere Informationen: www.destatis.de/datenreport


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